30.-31. März 2016: Nix Turkmenistan

Wir müssen retour nach Bishkek, um die Konsulargebühr der turkmenischen Botschaft einzuzahlen, dies muss an einem genau vorher festgelegten Tag erfolgen.  Zudem wollen wir den Kupplungsschlauch reparieren lassen, bzw. versuchen, einen neuen aufzutreiben. Leider gestaltet sich die Suche nicht so einfach. Auf dem Autobazar scheinen sie hauptsächlich auf Reifen- und Ölwechsel spezialisiert zu sein. Auch LKW- Werkstätten gibt es kaum, aber wenigstens finden wir eine, die sich unsers Problems annimmt…

Das defekte Teil wird ausgebaut, danach beginnt die Suche nach einem Ersatzteil auf den Bazaren Bischkeks. Dominik geht mit einem der Arbeiter auf die Suche- doch erst mal geht’s zum Schaschlikessen…;-) !Ein passender Schlauch muss schlussendlich erst noch konfektioniert werden, doch zwei Stunden später kann das Ersatzteil wieder eingebaut werden!

Nachdem wir die richtige Bank gefunden haben, ist die Konsulargebühr schnell eingezahlt. Wir gehen davon aus, dass wir nicht vor Montag Bescheid kriegen und da wir das Wochenende nicht in der Stadt verbringen wollen, fahren wir wieder in die nahegelegenen Berge.

Vorgestern war es in Bischkek noch 22 Grad warm, nun sind übers Wochenende Regen und Schnee angesagt. Wir landen schlussendlich im Alameddin Tal, am Ende der Strasse auf ca. 1700m. Es ist neblig und wolkenverhangen- trotzdem ist es gemütlich im Lasti an der Wärme. In der Ferne rauscht der Fluss und wir fühlen uns fast wie zuhause in der Schweiz…!

Noch am selben Abend erfahren wir, dass unsere Visaanträge für Turkmenistan abgelehnt wurden! Das darf doch nicht wahr sein! Wir haben zwar schon gehört, dass in letzter Zeit viele Anträge abgelehnt wurden, haben aber nicht wirklich mit einer Ablehnung gerechnet… Wenigstens kommt es nicht ganz überraschend, wir haben uns zum Glück schon seit ein paar Tagen mit Alternativen und Routen beschäftigt. Nun folgt also Plan B.

Wir müssen unsere Route komplett ändern, da kein Weg an Turkmenistan Richtung Iran vorbeiführt- ausser durch Afghanistan oder Pakistan. Bleibt also nur noch der Weg über Russland, auch da führt praktisch kein Weg daran vorbei, ausser der Route übers kaspische Meer von Kasachstan nach Azerbaidschan, die aber wegen unregelmässigem Schiffsverkehr vorerst mal ausscheidet.

Für die Beantragung eines russischen Visums in Bischkek wird ein mindestens 90 tägiges Visum für Kirgistan vorausgesetzt (obwohl Schweizer bis 60 Tage kein Visum brauchen)! Die Beantragung über eine Agentur dauert mind. zwei Wochen…!

Wie immer in solchen Fällen kommt nun das Wochenende dazwischen, wir müssen also bis Montag warten, bis wir mit der Beantragung des kirgisischen Visums beginnen können…

Die Enttäuschung über die Routenänderung ist gross, so gerne hätten wir den Iran bereist und die iranische Gastfreundschaft erlebt ;-)! Das iranische Visum hätten wir bereits gehabt! Umsonst war unser Visastress in Bangkok! Und das mühsamste an der ganzen Geschichte: der Visumsstress geht nun wieder von vorne los…:-(

 

25.-30. März 2016: Issyk Kul

Wir wollen ein paar Tage am Issyk Kul verbringen.

Wir fahren nur einen Steinwurf entfernt der kasachischen Grenze entlang und kaufen unterwegs frische Radieschen, die überall der Strasse entlang angeboten werden.

Es geht nochmals ein Stück durch die Berge, dann liegt er vor uns- der grösste Hochgebirgssee der Welt, der wegen seines hohen Salzgehaltes nicht mal im Winter zufriert. Auf über 1600m gelegen wird er von den Vier- und Fünftausendern des Tian Shans umrahmt.

Wir finden einen wunderschönen Platz direkt am Strand auf einer kleinen Landzunge. Der ideale Ort, um ein paar Tage auszuspannen und neue Energie zu tanken…

 

Fast hätten  wir Ostern verpasst ;-)! Wenn uns nicht die Daheimgebliebenen daran erinnert hätten, wär Ostern wohl unbemerkt an uns vorbei gegangen. Keine Schoggihasen und Zuckereili, die einen in den Läden schon Wochen zuvor ständig daran erinnern…;-)

Zum Glück haben wir noch ein paar Eier im Kühlschrank und irgendwo noch ein Schoggistängeli fürs Osternest. Wir machen eine spontane Eierfärbeaktion und die Kinder fragen sich, ob der Osterhase wohl auch bis nach Kirgistan kommt? Vor zwei Jahren kam er schliesslich auch bis nach Marokko…?

Am Sonntagmorgen sind die Kinder ganz aus dem Häuschen, sie durchsuchen den ganzen Lasti nach einem Osternest, schliesslich geht die Suche draussen weiter… Und welch Überraschung- der Osterhase hat es tatsächlich bis nach Kirgistan geschafft!

Wir verbringen entspannte Tage am See, das Wetter ist frühlingshaft, die Kinder spielen im Sand und am Strand. Endlich können sie wieder ausgiebig schaufeln und buddeln!

Ausser ein paar Kühen und Pferden sind wir praktisch allein, nur hin und wieder reitet ein Cowboy mit seiner Herde vorbei.

 

Eines Morgens erhalten wir Besuch von einem jungen Mann, der in der Nähe wohnt. Er ist sehr interessiert an uns und unserer Reise und träumt davon, eines Tages selber die Welt bereisen zu können..! Kuban ist uns beim Organisieren neuer SIM- Karten behilflich und bringt uns gar am nächsten Tag frische Äpfel aus dem eigenen Garten.

Wir nutzen die Tage, um den Lasti wieder auf Vordermann zu bringen: Innenreinigung, Fenster putzen, Scheibenwischer wechseln, Motor und Ventildeckel kontrollieren, die zum Glück seit der Reparatur in China dicht sind!

Per Zufall entdeckt Dominik, dass der Hydraulikschlauch der Kupplung defekt ist. Vielleicht ist dies der Grund für die Kupplungsprobleme..?

 

22. März 2016: Ala Archa Nationalpark

Nächster Versuch, die turkmenische Botschaft aufzusuchen. Wie immer braucht es erst mehrere Anläufe, bis wir die richtige Adresse endlich finden. Und als wir endlich da sind, am anderen Ende der Stadt, erfahren wir, dass die Botschaft heute geschlossen hat…Der Wachmann meint, wir sollen morgen wieder kommen…

Die Botschaft befindet sich am Rande der Stadt, in der Ferne sieht man das Panorama der schneebedeckten Berge. Im Moment wollen wir nur noch raus aus der Stadt und irgendwo ein ruhiges, gemütliches Plätzli suchen…

Wir landen schlussendlich im Ala Archa Tal, einem Nature-Park im Gebirge auf über 2000m Höhe. Die Landschaft mit den Bergen erinnert uns sehr an die Schweiz!

Wir geniessen die Sonne, die Jungs spielen im Schnee, in der Ferne hört man das Rauschen des Baches und des Windes in den Nadelbäumen…Und diese wunderbar frische, klare Luft!!!

Wir machen Bekanntschaft mit Darja und ihrer Familie, die in der Nähe ein Picknick veranstaltet und Schaschlikspiesse über dem Feuer grilliert. Wir kommen nicht darum herum, von den köstlichen Fleischspiessen zu probieren. Darjas Töchter freuen sich, endlich ihr Englisch anwenden zu können und reisen nicht eher zurück nach Bischkek, ohne vorher noch etliche Fotos mit uns gemacht und die Mailadressen getauscht zu haben…

Am darauffolgenden Tag stehen wir pünktlich um 10:00 bei der turkmenischen Botschaft. Anscheinend ist sie auch heute geschlossen, der Wachmann sagt, wir sollen morgen wieder kommen…Das Wort „saftra“ für „morgen“ können wir langsam nicht mehr hören! Wir sind mittlerweile genervt, wenn wir das gewusst hätten, wären wir länger im Ala Archa Tal geblieben!

Langsam beginnen wir über einen Plan B nachzudenken, falls es mit dem turkmenischen Visum nicht klappen sollte (wir haben gehört, dass seit letztem Sommer viele Anträge abgelehnt wurden!). Anscheinend ist Turkmenistan  eines für Touristen am schwierigsten zu bereisenden Ländern der Welt…

Viele alternative Möglichkeiten gibt es leider nicht, die meisten Wege führen über Russland, und auch ein russisches Visum ist unterwegs nicht so einfach zu bekommen. Bleibt nur noch die Fähre über das kaspische Meer von Kasachstan nach Azerbaidschan, die aber nur sehr unregelmässig verkehrt…

 

24. März 2016:

Die russische Botschaft ist nur ein Katzensprung entfernt, daher gehen wir als erstes dorthin, um uns bzgl. Russland- Visum zu informieren. Die Visasektion ist heute leider geschlossen. Immerhin hängt ein Infoblatt in Englisch. Leider wird verlangt, dass das kirgisische Visum noch mindestens drei Monate gültig sein muss, um überhaupt ein russisches beantragen zu können. Dieses auf die Schnelle zu verlängern wird wohl fast unmöglich sein…

Als wir heute nun zum dritten Mal vor der turkmenischen Botschaft stehen, haben wir endlich Glück!

Wir bekommen die Antragsformulare ausgehändigt, schaffen es jedoch nicht mehr, alle Papiere vor Schliessung um 12:00 auszufüllen. Bis zur Wiedereröffnung um 15:00 besorgen wir die gewünschten Farbkopien der Pässe und Visa und stehen pünktlich wieder bereit. Es vergeht über eine Stunde, bis ich hereingelassen werde, um die Papiere abzugeben (obwohl es fast keine Leute hier hat!). Leider fehlt auf einem der Papiere Dominiks Unterschrift und der Antragsbrief muss nochmals neu formuliert werden. Wir müssen also nochmals „hinten“ anstehen und schaffen es gerade noch vor der Schliessung. Wenigstens das ist nun mal erledigt! Nun bleibt nur noch Warten und Daumendrücken, dass wir die Visa bekommen!! Der ganze Prozess kann zwei Wochen oder länger dauern….!

19.- 21. März 2016: Bishkek

19. März 2016:

Es war wiederum eine kalte Nacht, die Scheiben sind innen gefroren.

Wir sind jedesmal froh, wenn der Lasti nach anfänglichem Stottern und Qualmen anspringt!

Die Kupplung machte uns während der Fahrt über den Pass wieder zu schaffen, nun ist erst mal wieder eine Entlüftungsaktion angesagt…

Hier in den Bergen Kirgistans herrscht immer noch tiefer Winter. Ab und zu schneielets, wenigstens sind die Strassen schnee- und eisfrei. Ab und zu lichten sich die Wolken und geben den Blick auf die schneebedeckten Gipfel frei!

 

20. März 2016:

Inzwischen sind wir in Bishkek angelangt. Wir haben eine kirgisische SIM-Karte besorgt und sind wieder online. Vor allem aber können wir wieder uneingeschränkt ins Internet, ohne chinesische Zensur! Google, Youtube und Facebook sind wieder verfügbar,…

Wir machen einen Bummel durch die Stadt und sind überrascht, wie grün die Stadt ist, mit vielen Bäumen, Parks und vor allem weniger Staub als in der Wüstengegend Xinjiangs. Zwar stammen die meisten Bauten der Innenstadt noch aus der Sowjetzeit, dennoch wirkt Bishkek „offener“ und weniger grau als z.B. Ulan Bataar.

Und was uns auch noch ins Auge fällt: es sind wieder alte Autos und viele europäische Fahrzeuge auf den Strassen unterwegs. In China sind die Personenwagen selten älter als 10 Jahre alt, da laut einem chinesischen Gesetz Fahrzeuge über 10 Jahre zweimal jährlich vorgeführt werden müssen (und niemand tut sich das freiwillig an 😉 !) In Kirgistan hingegen sind die Fahrzeuge unterwegs, die in Europa ausrangiert wurden….

 

Langsam können wir weder Reis noch Nudeln sehen und gönnen uns ein Essen im Restaurant Steinbräu, das selber Bier und deutsche Wurstwaren herstellt…

 

21. März 2016:

In Kirgistan wird heute Nooruz, das persische Neujahrsfest gefeiert, das heisst, die Ämter etc. haben heute geschlossen. So leider auch die turkmenische Botschaft, wo wir ein Transitvisum beantragen müssen….

Stattdessen besuchen wir den nagegelegenen Alamedin- Markt, wo auch heute viel los ist…

 

18. März 2016: Torugart

Neuer  Tag, neues Glück. Die Agentur hat sich anscheinend registriert, die Papiere sollten nun alle im Head- Office in Urumqi sein. Doch der Zoll wartet noch auf eine telefonischer Bestätigung- gestern waren alle an einer Konferenz beschäftigt…

Wir glauben erst an eine erfolgreiche Ausreise, wenn wir tatsächlich “draussen“ sind und alle Checkpoints passiert haben…!

Um 10:00 stehen wir erneut am Zoll, die Fahrt hierhin verlief zum Glück ohne Probleme ohne gültige Papiere…

Dennoch dauert es weitere zwei Stunden, bis alles geregelt ist und wir endlich die Erlaubnis zur Ausreise haben! Zum Glück gibt’s heute keinen Gesundheitscheck und keine Diskussionen mehr, wir können gleich direkt zur Immigration, die den Pass abstempelt.

Wie bereits gestern sind wir auch heute die einzigen, anscheinend haben sie an diesem Grenzübergang zuwenig zu tun…;-)

Nun liegen immer noch über 100km bis zur eigentlichen Grenze auf dem Torugart- Pass vor uns. Wir passieren etliche Checkpoints, überall das gleiche Spiel: Pässe zeigen, Kabine öffnen, Permits vorzeigen…Langsam sind wir von der paranoiden Haltung der Chinesen genervt, wir wollen einfach nur noch raus…!

Kurz vor dem Pass erwartet uns der letzte Checkpoint. Hier werden wir erst weiter gelassen, nachdem sich die Chinesen versichert haben, dass 7 km weiter an der kirgisischen Grenze unser zuvor organisierter Begleitfahrer mit entsprechenden kirgisischen Permits bereit steht, der uns bis zum letzten Checkpoint auf kirgisischer Seite begleiten muss (wir könnten ja im Gebirge auf fast 4000m abhauen..;-) )

Gestern hat der Fahrer vergeblich auf uns gewartet- zum Glück übernimmt die Agentur die Kosten!

Die letzten Kilometer fährt ein Zöllner mit. Schliesslich, auf über 3700m werden wir an einem hohen Grenzzaun den Kirgisen übergeben.

Je mehr wir an Höhe gewonnen haben, desto schlechter wurde das Wetter. Schon bald beginnt es zu schneien und wir erreichen den Pass bei dichtem Schneegestöber. Die zu Beginn gute Strasse wird immer schlechter, wir fliegen von Schlagloch zu Schlagloch und auch die Kupplung beginnt langsam wieder zu streiken….

Nun heisst es Abschied nehmen von Tony. Von nun an müssen wir wieder alleine weiter… Uns ist schon fast ein bisschen wehmütig zumute, doch wir freuen uns auch, endlich wieder „frei“ zu sein! Wir sind froh, auch bei der zweiten Chinareise Tony als Begleiter gehabt zu haben. Er kümmerte sich zuverlässig um unsere Bedürfnisse, übersetzte, organisierte, diskutierte, plante und erklärte… Von nun an müssen wir  uns wieder selber um alles sorgen…

Der kirgisische Fahrer erwartet uns bereits und wir fahren bei dichtem Schneetreiben und verschneiten Strassen ein paar Kilometer bis zur eigentlichen Zollstation. Der Fahrer ist Dominik bei den Einreiseformalitäten behilflich, im Nu sind die Stempel im Pass. Doch nach einer Fahrzeugkontrolle müssen doch noch Registrierungen ausgefüllt werden und eine Ökosteuer für Lastwagen wird fällig. Wir haben keine Nerven für Diskussionen und bezahlen die 2500 Som (30 CHF) für was auch immer…

Hauptsache wir kommen möglichst schnell in tiefere Lagen, bevor wir eingeschneit werden! Zum Glück können wir unserem Eskortfahrzeug folgen, der Strassenverlauf auf den zugeschneiten Strassen ist manchmal schwer auszumachen…

Nach ca. 20 Kilometer folgt der letzte Checkpoint, wir haben es endlich geschafft, wir sind in Kirgistan!

Bis zum nächsten grösseren Ort sind es noch 200km. Der Fahrer muss ohnehin zurück nach Naryn, so können wir ihm gleich folgen.

Leider bekommen wir von der phantastischen Landschaft nur wenig mit, es herrscht immer noch dichtes Schneetreiben…

China ist Kirgistan zwei Stunden voraus, so konnten wir unsere Uhren also gleich um zwei Stunden zurückstellen. Wir haben also zwei Stunden „gewonnen“.

Trotzdem ist es schon fast Abend, als wir Naryn erreichen. Der Fahrer lässt uns bei sich zuhause im Innenhof eines russischen 70er- Jahre Baus übernachten und wir sind froh, keinen Übernachtungsplatz mehr suchen zu müssen.

Nebenan hat es ein kleines Lädeli und wir fühlen uns wie im Paradies! Es gibt Käse, Milch, Joghurt, Brot und Butter! Es gibt gleich ein Festessen! Den letzten „richtigen“ Käse haben wir in der Mongolei gegessen!

Wir freuen uns, in Kirgistan zu sein! Das Land hat durch seine russische Vergangenheit für uns schon fast etwas europäisches, im Vergleich zumindest mit China. Es gibt europäische Fahrzeuge, Lebensmittel, die man kennt, man kann sich einigermassen verständigen (diesmal sind meine Russischkenntnisse noch etwas präsenter als letztes Mal ;-)), und wir fallen nicht mehr so extrem als Farangs oder Langnasen auf wie in China oder Südostasien…

Zwar wollten wir die letzten Tage nur noch raus aus China, dennoch haben wir dort auch viel Gutes und schönes erlebt.

China ist ein extrem abwechslungsreiches und spannendes Land, ein Land der extreme, das als drittgrösstes Land der Erde neben subarktischer Tundra, tropischen Regenwäldern, dem höchsten Gebirge und einer der heissesten Wüsten der Welt auch kulturell sehr viel zu bieten hat! Man könnte Jahre in China verbringen, ohne je alles gesehen zu haben!

Wir haben zudem die sehr guten Strassen, das exotische Essen und die gute Infrastruktur sehr geschätzt. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten haben wir es schlussendlich gut durchs  Reich der Mitte geschafft. Vor allem haben wir den Luxus geschätzt, alleine und nicht als Gruppe unterwegs sein zu können. Von den diversen Pannen abgesehen, verlief die Reise viel entspannter, in unserem eigenen Rhythmus.

Und vor allem waren die winterlichen Temperaturen nicht so schlimm wie befürchtet! Normalerweise herrschen in Xinjiang im Winter Durchschnittstemperaturen von – 30°C! Vielleicht hatte es ja wirklich etwas Gutes, dass sich die Reise um einen Monat verschoben hat!

Nun folgt ein neuer Abschnitt unserer Reise: Zentralasien…

 

 

 

17. März 2016: Ausreise verweigert!

Bis zum ersten Zollposten, wo sich die Immigration und Customs befinden, ist es ca. eine Stunde Fahrzeit. Unterwegs füllen wir  für unsere letzten Yuans die Dieseltanks, kaufen ein paar frische Fladenbrote und stehen schliesslich vor dem riesigen, fast verlassen wirkenden Zollgebäude im Nirgendwo. Die Papiere sind natürlich noch nicht bereit, so müssen wir erst mal warten…

Irgendwann dürfen wir weiter zur Immigration, doch davor gibt’s noch einen Gesundheitscheck. Zwei weiss gekittelte Männer, die aussehen wie Veterinäre, bringen eine Kühlbox mit und beginnen, Mundschutz und Plastikhandschuhe anzuziehen. Die Männer zeigen auf Jonas, wollen sein Alter wissen und wollen ihm ein weisses Kügelchen in den Mund stecken. Wir wehren uns vehement dagegen, da uns niemand sagen kann, was sie Jonas verabreichen wollen! Zum Glück kommt Tony herbei zum Übersetzen. Anscheinend handelt es sich dabei um eine Polio-Schluckimpfung. Ich versuche zu erklären, dass die Kinder bereits zuhause geimpft wurden und nach heftigen Diskussionen wird Jonas schliesslich mit Farbe am Ohr markiert und darf ohne Impfung passieren…!

Nils, der die ganze Diskussion natürlich mitbekommen hat, und nur das Wort „Impfung“ verstanden hat, wird vor Angst schlecht und muss erbrechen, wir schaffen es gerade noch bis zur Toilette. Gerade erst habe ich noch behauptet, wir seien alle gesund, nun werden sie uns das wohl nicht mehr glauben…

Bei der Immigration selbst müssen wir erst mal warten, Tony ist in einem der Büros verschwunden…

Gleichzeitig mit uns ist ein Reisebus eingetroffen, die ca. 12 Leute wurden abgefertigt, nun sind wir wieder die einzigen hier.

Langsam wird es kalt und wir haben Hunger, wenigstens dürfen wir zurück zum Lasti und dort warten.

Mittlerweile ist es 13:00, falls wir es bis Kirgistan schaffen wollen, wird es langsam knapp. Bis zur kirgisischen Grenze sind es noch zwei bis drei Stunden Fahrzeit den Pass hoch, die Grenze schliesst dort um 16:00. Sollten wir es nicht rechtzeitig schaffen, müssten wir auf 3700m zwischen China und Kirgistan übernachten!

Irgendwann taucht Tony wieder auf. Die Zolldokumente sind fertig, nun müssen wir aber noch auf die Bestätigung der Permits vom Zentralbüro in Urumqi warten. Zudem ist gerade Mittagspause bis 15:30, bis dann ist nichts mehr zu wollen…

Langsam wird klar, dass wir es nicht mehr rechtzeitig bis nach Kirgistan schaffen. Tony muss die letzten hundert Kilometer  mit einem Begleitfahrzeug mitfahren, wir dürfen die Strecke nicht alleine fahren, das heisst, auch er muss es rechtzeitig wieder zurück schaffen….

Nummernschild, Fahrausweis und Versicherung laufen heute ab, das heisst, wir dürften eigentlich ab morgen gar nicht mehr auf den Strassen Chinas unterwegs sein…

Es kommt noch ein zusätzliches Problem hinzu: Die Agentur ist bei diesem Zoll nicht registriert und darf ohne Registrierung keine Touristen abfertigen. Anscheinend sei die Bestimmung neu…

Nun muss sich die Agentur also erst registrieren lassen, was Stunden( bis Tage?) dauern kann…

Heute wird also definitiv nichts mehr mit unserer Ausreise!

Nach Stunden des Wartens und Hoffens an der Grenze schlägt Tony vor, nach Kashgar zum Hotel zurückzukehren. Das Fahren ohne gültige Papiere sei kein Problem?!

Na gut, uns bleibt nicht viel anderes übrig, vor dem Zoll dürfen wir nicht stehen bleiben und im schlimmsten Fall, sollten wir morgen auch nicht ausreisen können, müssten wir bis am Montag hier warten, mitten im Nirgendwo. Dann doch lieber in Kashgar, wo wir eine gute Infrastruktur vorfinden…

 

Das ganze kann doch nicht wahr sein! Erst wollen die Chinesen uns nicht reinlassen- nun dürfen wir nicht raus…!

 

14.-15. März 2016: Kashgar

Wir fahren der südlichen Seidenstrasse in den Ausläufern der Taklamakan dem Kunlun Shan Gebirge entlang Richtung Kashgar. Die Gegend wirkt in dieser Jahreszeit trostlos, grau in grau, kalt und trüb..

Auf einer Strecke von hunderten von Kilometern wird die Wüste von unzähligen Arbeitern mit Pappeln bepflanzt.  Wahrscheinlich, um weiterer Desertifikation vorzubeugen….Für uns eine fast unvorstellbare Sisyphusarbeit-  doch für die Chinesen ist alles möglich. Sie schaffen es auch, eine Bahnlinie von mehreren hunderten von Kilometern Länge durchs Gebirge zu bauen, inkl. Tunneln und Brücken- innerhalb von zwei Jahren!

 

In Kashgar treffen die südliche und nördliche Seidenstrasse aufeinander und die Stadt war einst im Zeitalter der alten Karawanen eine blühende Handelsstadt .Zentralasien, Indien, Pakistan und Afghanistan sind nicht weit…

Noch heute spürt man das Flair vergangener Zeiten, während man durch die Gassen der orientalisch anmutenden Altstadt schlendert, den Handwerkern bei der traditionellen Kupfer- oder Holzverarbeitung zuschaut. Hier leben praktisch nur uigurische Muslime, die so gar nichts mit den Han-Chinesen gemein haben. Teheran und Damaskus liegen näher als Peking…Tony fühlt sich etwas unwohl, als einziger Chinese unter all den Uiguren.

Leider haben wir den sonntäglichen Viehmarkt verpasst, wo die Kamele, Schafe, Ziegen und Kühe der Region feilgeboten werden. Doch auch auf dem „normalen“ Bazar ist viel los und das Treiben ist spannend wie immer!

 

 

 

Wir sind bereits einen Tag früher als geplant in Kashgar eingetroffen und wir hoffen, früher ausreisen zu können. Laut Tony ist dies normalerweise kein Problem.

Tonys Custom Broker ist schon seit gestern dabei, unsere Zollpapiere zu organisieren, leider hat sie es bis heute nicht geschafft. Wir hoffen nun auf morgen, denn ab übermorgen sind starke Schneefälle am Torugart-Pass prognostiziert…

Wir machen mit Tony einen Ausflug in die Stadt und besichtigen die Id Gagh Moschee, das geistige und physische Herz der stadt. Die Moschee und der grosse Garten bieten bis zu 20 000 Gläubigen Platz.

Anschliessend machen wir einen Bummel durch die Altstadt. Leider wurden viele Altstadthäuser durch chinesische Investoren abgerissen, zwecks „Modernisierung“. Trotzdem sind noch ein paar Gassen erhalten geblieben und man fühlt sich gleich in den Orient versetzt…

 

13.-14. März 2016: Auf der südlichen Seidenstrasse

Morgens um 08:30 ist es immer noch dunkel, also starten wir heute erst um 10:00.

Noch immer ist alles grau in grau, wie im November in Tössriederen, wir haben die Sonne seit Tagen nicht mehr gesehen und ausser einer grauen nebligen Wand sieht man leider kaum etwas von der Umgebung. Man sagt, dies sei Staub und Sand aus der Wüste, der in dieser Jahreszeit in der Luft liege, wir glauben langsam eher an die Luftverschmutzungsversion…

Wie auch immer, vom nahegelegenen Kunlun-Shan- Gebirge, dessen Füssen entlang wir unterwegs sind, sieht man leider nichts…Die schneebedeckten Gipfel der 6000er bleiben leider verborgen…

Die Polizei- und Militärpräsenz in der Region nimmt ständig zu. Unterwegs passieren wir zahlreiche Checkpoints, wo unsere Papiere kontrolliert werden. In den Städten sind die Ordnungskräfte zahlreich vertreten, an jeder Kreuzung, jedem Platz, vor jedem öffentlichen Gebäude herrscht Polizeipräsenz. Überall hats Zäune, Gitter, Absperrungen, Stacheldraht, gepanzerte Fahrzeuge und die Eingänge zu Gebäuden, Märkten und Läden werden kontrolliert…

Seit 2009 blutige Unruhen und Aufstände infolge ethischer Spannungen zwischen den Uiguren und Han Chinesen ausbrachen, wird jede Regung gleich im Keim erstickt…

Wir sind bereits am Nachmittag am Zielort und kaufen Früchte und Gemüse auf dem Markt ein, bevor wir ein Hotel mit genügend grossem Parkplatz suchen. Das eine Hotel, das Tony ausgesucht hat, will keine Ausländer aufnehmen, beim zweiten ist der Parkplatz bereits voll. Schlussendlich finden wir einen Parkplatz bei einem kleinen Zoo und die dortigen Polizisten, die wache stehen, meinen, es sei ok, wenn wir da übernachten. Doch kaum haben wir uns halbwegs installiert, kommen wieder Polizisten daher und beginnen, mit Tony zu diskutieren.

Anscheinend halten sie unseren Aufenthalt für zu unsicher, bzw. niemand will die Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen. Sie müssen erst den Polizeichef fragen, ob wir hier bleiben dürfen…

Es beginnt eine endlose Warterei, wir sind langsam müde und hungrig. Wir beginnen schon mal mit dem Nachtessen, als der Polizeichef endlich auftaucht. Hier dürfen wir nicht bleiben, doch er eskortiere uns zu einem Hotel, wo Ausländer bleiben dürfen…

In Windeseile wieder alles weggeräumt und verstaut, fahren wir, von der Polizei eskortiert, quer durch die Stadt bis ans andere Ende. Neben dem Busbahnhof, im Hinterhof eines schäbigen Hotels dürfen wir schliesslich bleiben, aber nicht bevor noch alle unsere Pässe kopiert wurden…Ob es hier tatsächlich sicherer ist, sei dahingestellt…