16.-17. April 2016: Kupplungsausfall auf dem Tian Shan Highway

Nach einem wunderbar entspannten Tag gestern geht’s heute nun weiter Richtung Bishkek. Doch kaum auf der Hauptstrasse angelangt, müssen wir die Kupplung wieder entlüften, wenigstens haben wir langsam Übung darin…;-)!

Die Strecke führt wieder dem wunderbar türkis- und smaragdgrünen gestauten Naryn-Fluss entlang, vorbei am Toktogul- Stausee.

Durch enge Täler mit glasklaren Flüssen geht es stetig aufwärts. Auf 3184m überqueren wir den ersten Pass, mittlerweile hat es hier weniger Schnee, als noch vor 10 Tagen…

Wir erreichen die Suusamyr-Hochebene, ein wunderschönes, weites Plateau, wo im Sommer die Nomaden in ihren Jurten wohnen und  ihre Herden weiden lassen.  Noch ist die Ebene mehrheitlich mit Schnee bedeckt und unbewohnt…

Die Jungs wollen noch einmal im Schnee spielen und wir machen unsere Mittagspause auf der Hochebene.

Wir sind gerade mit Essen fertig, als zwei vollbepackte Velofahrer vorbeiradeln… Wir laden die beiden, ein französisches Paar, zu einem Kaffee ein. Die zwei sind auf Weltreise mit dem Fahrrad und waren u.a. im Winter in Tibet unterwegs. Nun sind sie auf dem Weg zum Pamir…

Wie gerne hätten wir, unter anderen Umständen, den Pamir -Highway in Tadjikistan befahren! Einerseits fehlt uns die Zeit, zudem ist es fast noch zu früh , auf über 4000m herrscht noch immer Winter, ausserdem ist der Lasti (und unsere Nerven) zuwenig fit für eine Reise in solch entlegene Gebiete. Und noch ein Visum? Nein danke ;-)!

 

Nach unserer Mittagspause machen wir uns wieder auf den Weg- die Franzosen Richtung Süden, wir gen Norden…

Kaum ein paar Kilometer gefahren, macht die Kupplung plötzlich einen Komplettstreik und versagt völlig ihren Dienst! Wir halten am Strassenrand und geistesgegenwärtig parkiert Dominik den Lasti hangabwärts in Fallrichtung. Schnell ist klar: der Kupplungszylinder ist defekt…

Was nun? Wir befinden uns zwischen zwei Pässen, noch immer auf der Hochebene auf über 2500m. Die nächste grössere Ortschaft ist weit entfernt…

Zum Glück schafft es Dominik beim Losrollen den ersten Gang einzulegen. Unser Ziel: Bishkek erreichen, notfalls im ersten Gang, vor allem aber müssen wir irgendwie über den Pass..!

Im Kriechtempo geht es die unendlich vielen Kurven die Passstrasse hoch. Ich rechne aus: bei diesem Tempo brauchen wir 16 Stunden bis Bishkek, es ist bereits Nachmittag, können wir nur hoffen, dass es bergab schneller geht..!

Aber unsere grösste Sorge: wir können ohne Kupplung nicht anhalten, bzw. wieder losfahren (es sei denn, wir können hangabwärts losrollen). Unterwegs hat es aber etliche Stellen, wo wir eventuell anhalten müssten: Lichtsignal vor dem Tunnel, Checkpoints, Strassenzahlstelle…Ganz zu schweigen von dem Verkehr Bishkeks mit all den Kreuzungen, Ampeln etc. Daran wagen wir gar nicht zu denken, erst mal wollen wir einfach so schnell wie möglich von hier wegkommen, wenigstens auf die andere Seite des Passes…

Wenigstens haben wir bei dem Schneckentempo Zeit, die wunderbare Aussicht zu bestaunen!

Natürlich steht die Ampel vor dem Tunnel auf Rot. Wenigstens hat es genug Platz vor dem Tunnel, dass wir unsere Runden drehen können, ohne anhalten zu müssen…Etwa nach der vierten Runde wird es endlich grün. Uff, erste Hürde ist geschafft! Nach dem Tunnel geht es abwärts, da fällt das Anfahren leichter. Nach einer gewissen Zeit hat Dominik den Dreh raus und schafft es, ohne Kupplung bei richtiger Drehzahl und Geschwindigkeit zu schalten. Wenigstens sind wir nun schneller als 10km/h unterwegs…! Es geht stetig abwärts, bis wir Hürde Nummer zwei erreichen: die Zahlstelle.

Ich springe davor aus dem fahrenden Lasti, renne vor, zeige die Quittung und die Barriere wird zum Glück gerade noch rechtzeitig geöffnet, damit Dominik durchfahren kann. Ich springe wieder auf den rollenden Lasti, während wir uns Hürde Nummer drei nähern, dem Polizeicheckpoint. Ausgerechnet hier hat man uns letztes Mal vorgeworfen, ein Stoppschild missachtet zu haben. Da wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als schön anzuhalten… Gottseidank hat die Strasse hier leichtes Gefälle und wir schaffen es, wieder anzufahren! Vor allem aber hat uns zum Glück die Polizei nicht wieder rausgenommen wie letztes Mal!

Das schlimmste ist nun überstanden! Wir befinden uns nun auf der Hauptverbindungsstrasse ca. 60 km vor Bishkek in dicht besiedeltem Gebiet. Wir wollen Bishkek, wenn irgendwie möglich, noch erreichen, Werkstätten und allenfalls Ersatzteile sind dort am ehesten zu finden…

Irgendwie schaffen wir die 60 Kilometer bis in die Hauptstadt, ohne anzuhalten. Eine extrem vorausschauende Fahrweise ist gefragt, so müssen wir z.B. schon weit vor der Rotlichtampel verlangsamen, um genügend „Rollzeit“ zu haben, bevor es wieder grün wird. Eine stehende Kolonne ohne Ausweichsmöglichkeit, eine Polizeikontrolle, ein unaufmerksamer Fussgänger hätten das abrupte Ende unserer Fahrt bedeutet!

Als wir den TIR Parkplatz auf Bishkeks Umfahrung erreichen, bin ich nassgeschwitzt und heilfroh! Noch vor ein paar Stunden hätten wir nicht daran gedacht, es noch so weit ohne Kupplung zu schaffen!

Wir sind erschöpft, aber dennoch froh, hatten wir doch Glück im Unglück! Wäre die Kupplung zu einem anderen Zeitpunkt, oder an einem anderen Ort  ausgefallen, wäre es weit schlimmer und komplizierter gewesen…!

 

 


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